Immer am Abend…

wenn es ruhig wird, die Kinder im Bett sind, und die Begeisterung über die tollen tools und imponierenden inputs des vergangenen Tags [Achtung: nicht verwechslen mit tags] langsam verebbt, schleichen sich wieder diese ewiggestrigen fragen ins ewiggestrige Kleinhirn:

Will ich das, soll ich das, kann ich das und kann ich das mir und meinen SchülerInnen antun oder tue ich ihnen etwas an, wenn ichs ihnen nicht antue?

Zum einen ja! Ich habs begriffen, die Welle rollt und – es bereitet manchmal Mühe, wenn man mit zunehmenden Alter die Grenzen der eigenen Allmacht erkennen muss – sie rollt auch ohne mich. Also wenigstens so viel verstehen, dass man den Kindern weiterhin die Welt erklären oder etwas weniger überheblich, wenigstens einigermassen ihre Fragen, die sie stellen werden, verstehen kann.

Wenn ich jeweils von meiner Jugend erzähle, wie wir gelebt, Feste gefeiert haben, sehe ich meist auch ein leuchtendes Ohr bei den ZuhörerInnen, die Faszination von dieser Einfachheit, Unmittelbarkeit und Verbindlichkeit der alten Tage, aber immer auch ein mitleidiges Ohr, so wie man Berichten von Atlantis lauscht und erstaunt ist, dass der Erzähler tatsächlich glaubt, da noch wohnen oder gar die versunkene Welt wieder hervorheben zu können.

Es gibt also keine andere Wahl, als den Weg zu erkunden, den unsere Jugend gehen wird.

Und zum andern nein! Denn da stolpert man beim Surfen – ein idiotisches Bild, ich weiss, auch wenn sich Wellen auf Schwellen reimt -auf so kleine Filmchen, die einem das Blut…

nein, schaut mal selber – und ich will jetzt nicht eine Welle gegen IBM reiten, weil da die Errungenschaft der RFID-Technologie gepriesen wurde. Es geht mir weniger um den technischen Aspekt an sich, als darum, welche Geisteshaltung da mitschwimmt:


Und trotz allem und im Ernst: Ich freu mich auf morgen mit euch zu moodeln, googeln, doodeln, tagen, wiken und blogen…

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Besuch IBM Rüschlikon: Altes bewahren oder die Zukunft ansteuern?

Altes bewahren oder die Zukunft ansteuern?

Moshe Rappoport beim Vortrag

Am meisten beschäftigen mich nach dem Besuch beim IBM Zurich Research Laboratory die philosophischen oder besser gesagt die ethischen Aspekte des Fortschritts in der IT-Technologie. Der Vortrag von Mosche Rappoport war nicht nur ein hochinteressanten Input, was Technik und Ausrichtung von IBM anbelangt, sondern auch ein Training im Spagat zwischen fast bedingungsloser, wenn auch nicht unkritischer Befürwortung der neuesten digitalen Entwicklung und bedingungsloser Bewahrung alter gesellschaftlicher Traditionen. Unbestritten scheint mir, dass unsere ethischen Grundsätze für den gegenseitigen Umgang auch in den neuen Medien und Kontakten der web2.0-Welt gelten müssen. Unbestritten scheint auch, dass diese Werte nicht der Computer, sondern weiterhin die Erwachsenen – die Eltern und an zweiter Stelle Lehrerinnen und Lehrer – an die jungen Menschen weitergeben müssen.

Das Fördern offner und weltweit grenzenloser Kommunikation und Vernetzung von Personen scheint mir aber in letzter Konsequenz nicht vereinbar mit Rappoports festhalten an orthodoxen Familiestrukturen, Regeln und somit auch Einschränkungen, was das Zusammenleben und die Kontakte mit der nicht-jüdisch-orthodoxen Gemeinschaft anbelangt. Wenn das Kassenfräulein als zeitraubendes Übel beim ‚Checkout’ im Supermarkt von Chips verdrängt wird und die gewonnene Zeit in digitale, örtlich ungebundene Kommunikation gesteckt werden kann, dann wird das Bewahren althergebrachter Kommunikationsformen, wie sie gerade Religionen tradieren, nicht nur schwierig, sondern auch schwer zu begründen.

Wenn das Web2.0 nicht nur eine technische Neuerung, sondern wie gesagt eine soziale Revolution ist, dann muss realistisch erwartet werden, dass nicht nur Gutes entsteht und auch Gutes verschwindet. Und er wäre zudem das erste Mal, dass eine Revolution nicht ordentlichen Appetit auf die eigenen Kinder bekäme.

Dass selbst für Insider der Global Technology der Outlook über den Rahmen von 5 Jahren hinaus zur Sci-Fi resp. Spekulation wird, heisst für mich auch, dass wir den IT-Tanker bei einer Fehlentwicklung kaum abbremsen oder rechtzeitig auf Kurs bringen könnten. Ich weiss, dass ist jetzt wieder kultur- resp. technologiepessimistisch; aber irgendwie erinnert mich die neueste Entwicklung in der Kommunikation schon etwas als Operation am lebenden Objekt Menschheit.

Moshe Rappoport hat aber eindrücklich klar gelegt, in welche Richtung die Entwicklung der digitalen Welt geht, und dass diese nicht zu stoppen ist. In dieser Beziehung stellen die neuesten Entwicklungen kein Novum dar, sondern stellen die gleichen Anforderungen, welche in der Menschheitsgeschichte schon alle technischen Errungenschaften gestellt haben.

[Es gibt aber auch noch andere Konstanten: Dass der Krieg Vater (fast) aller Dinge ist, hat auch unser hübscher Amerikanisch-Irakisch-Translator gezeigt.]

"Wo bitte steht noch eine unversehrte Schule in Bagdad?"

Um eine Inhaltsangabe des Besuchs zu lesen, siehe Blog von Claudia Zweifel

momentan sieht es noch so aus…

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